Beschreibung
Ermittlung und Anwendung in der Praxis
Die physikalische Bestimmung des Tagesmaßes erfolgt zwischen den Laibungskanten einer Öffnung. Man misst den Abstand zwischen den gegenüberliegenden Flächen. Horizontal. Vertikal. In der Praxis werden diese Messungen an mehreren Positionen durchgeführt, um Unregelmäßigkeiten im Mauerwerk oder in der Ausführung zu erkennen. Bei einer Rahmensituation wird zwischen den Holmen oder Schwellen gemessen, wobei der vorhandene Falz für die Verglasung oder der Türanschlag konsequent außerhalb der Berechnung bleibt.
Das kleinste Maß ist maßgebend für die Einpassung von Elementen, die exakt in die Öffnung fallen müssen. Dies ist beispielsweise bei der Montage von Insektenschutzgittern, Rollläden oder innenliegendem Sonnenschutz der Fall, die „im Tagesmaß“ gesetzt werden. In der Rohbauphase wird das Tagesmaß herangezogen, um den freien Durchgang für den Bauverkehr oder spätere Rettungswege mit dem Entwurf abzugleichen. Bei der endgültigen Ausführung bestimmt das Tagesmaß die Größe der Glasfläche oder des sichtbaren Teils eines Türblatts. Millimeter sind hier der Standard für höchste Genauigkeit. Wenn eine Öffnung durch Setzung oder unsauberes Mauerwerk nicht rechtwinklig ist, wird das effektive Tagesmaß durch den engsten Durchgang bestimmt, durch den das einzubauende Element hindurch muss.
Unterscheidung in Kontext und Anwendung
Rahmen-Tagesmaß versus Mauerwerk-Tagesmaß. Eine entscheidende Unterscheidung. Der Maurer hinterlässt eine Öffnung im Rohbau; dies ist das Tagesmaß des Mauerwerks. Sobald der Zimmermann den Rahmen setzt, ändert sich die Situation und der lichte Raum verkleinert sich erheblich. Was zwischen den Holz- oder Aluminiumprofilen verbleibt, nennen wir das Tagesmaß des Rahmens. Dieses Maß ist für den Nutzer maßgebend.
Freier Durchgang versus Tagesmaß
Bei Türen entsteht oft Verwirrung zwischen dem Tagesmaß und dem freien Durchgang. Das Tagesmaß ist der statische Abstand zwischen den Rahmenholmen. Der freie Durchgang hingegen ist ein dynamisches Maß. Wenn ein Türblatt neunzig Grad geöffnet steht, nimmt die Dicke dieses Blattes Raum von der ursprünglichen Öffnung weg. Auch der Griff oder eine Panikstange kann den effektiven Durchgang einschränken. Für die Anforderungen an die Barrierefreiheit zählt allein der freie Durchgang, nicht das theoretische Tagesmaß des Rahmens.
Lichtmaß und Glasmaße
Bei Dachfenstern, Lichtkuppeln und Vorhangfassaden wird häufig der Begriff Lichtmaß verwendet. Im Kern ist dies das Tagesmaß der Konstruktion, durch die das Licht tatsächlich fällt. Es ist die lichte Glasöffnung. Misst man für ein Insektenschutzgitter? Dann sucht man das Tagesmaß zwischen den Profilen. Misst man für einen Rollladen, der „auf dem Tagesmaß“ montiert wird? Dann dient das Tagesmaß als Bezugspunkt, um die Überdeckung der Führungsschienen zu bestimmen. Falzmaße sind immer größer als Tagesmaße, da der Falz die Tiefe ist, in die das Glas oder die Tür fällt, verborgen hinter den Laibungskanten.
Praktische Beispiele und Situationen
Ein Plisseegitter für einen Kunststoffrahmen bestellen. Das Maßband nehmen. Den Abstand zwischen den aufstehenden Rändern des Profils messen. Das ist das Tagesmaß. Kein Falz, keine Glasleisten, schlicht der lichte Raum, in den das Gitter geklemmt werden muss. Manchmal weicht das obere Maß durch eine schief gezogene Wand vom unteren Maß ab; das engste Maß ist immer maßgebend für die Bestellung.
Der Maurer arbeitet an einer blinden Mauer und lässt eine Öffnung von genau 900 Millimeter Breite für einen neuen Hintertürrahmen. Dies nennen wir das Tagesmaß der Rohöffnung. Sobald der Zimmermann den Holzrahmen mit 67 Millimeter dicken Holmen setzt, schrumpft das Tagesmaß auf etwa 766 Millimeter. Ein amerikanischer Kühlschrank von 80 Zentimeter Breite kommt hier nie hindurch, trotz der großzügigen Öffnung im Mauerwerk.
Sonnenschutz montieren. Entscheidet sich der Bewohner für die Montage „im Tagesmaß“? Dann fällt das Screen genau innerhalb der Wände oder zwischen die Rahmenholme. Das Tagesmaß diktiert hier die Breite der Kassette und der Führungsschienen. Bei einem Dachfenster bestimmt das Tagesmaß den effektiven Lichteinfall; man misst hier den Abstand zwischen der Verkleidung an der Innenseite der Dachschalung. Millimeter machen den Unterschied zwischen einem nahtlosen Anschluss oder einem klappernden Rollladen.
Unterschied in der Praxis
| Situation | Was misst man als Tagesmaß? |
|---|---|
| Innentürrahmen | Der Abstand zwischen den Holzholmen, ohne den Türanschlag. |
| Mauerwerksöffnung | Der Abstand zwischen der linken und rechten Seite der unverputzten Steine. |
| Lichtkuppel | Das kleinste Innenmaß des Aufsatzes, durch den das Licht fällt. |
Rechtliche Rahmenbedingungen für Durchgänge und Tageslicht
Die Musterbauordnung (MBO) und die Landesbauordnungen (LBO) betrachten das Tagesmaß nicht als Ziel, sondern als Ausgangspunkt. Der Fokus liegt auf dem freien Durchgang. Eine wesentliche Unterscheidung. Für den Zugang zu einer Wohnung schreibt die Bauordnung einen minimalen freien Durchgang von 0,85 Meter Breite und 2,3 Meter Höhe vor. Wer einen Rahmen mit genau diesem Tagesmaß bestellt, wird enttäuscht. Das Türblatt und die Bänder stehen nämlich im Weg, wenn die Tür geöffnet ist. Die lichte Durchgangsbreite ist es, die bei einer Prüfung zählt. Strikte Kontrolle. Kein Spielraum.
DIN EN 17037 ist die Norm, die die Tageslichtversorgung regelt. Das Tagesmaß der Glasöffnung bildet hier die Grundlage für die Berechnung der Tageslichtfläche. Es geht um die Lichtmenge, die tatsächlich den Raum erreicht. Korrekturfaktoren für Überstände und Verschattungen durch benachbarte Bebauung werden auf das Tagesmaß angewendet. Bei Neubauten müssen Aufenthaltsräume bestimmte Quadratmeter an lichter Glasfläche erfüllen, um ein gesundes Raumklima zu gewährleisten. Für Nichtwohngebäude, wie Büros, bietet DIN 5034 ergänzende Richtlinien für Mindestabmessungen von Verkehrsflächen. Tagesmaße von Türen in Rettungswegen müssen hier strengere Kapazitätsberechnungen erfüllen. Sicherheit geht vor. Ein zu enges Tagesmaß blockiert nicht nur ein Möbelstück, sondern im schlimmsten Fall auch eine schnelle Evakuierung.
Historische Entwicklung der Maßordnung
Das Licht bestimmte die Grenze. Früher war eine Öffnung in der Wand schlicht ein Loch für den Lichteinfall, nicht mehr und nicht weniger. Die Tagesfläche war dieser helle Raum. Handwerker arbeiteten jahrhundertelang mit lokalen Maßen wie dem Fuß oder dem Zoll, was zu einzigartigen und oft unregelmäßigen Öffnungen führte. Das Tagesmaß war damals ein Restprodukt des Mauerwerks. Erst mit dem Aufkommen der industriellen Revolution und der Serienfertigung von Fenstern und Türen entstand die Notwendigkeit zur Standardisierung.
Das neunzehnte Jahrhundert brachte den Übergang von der handwerklichen Zimmerei vor Ort zur zentralen Tischlerei. Die Maßordnung musste stimmen. Millimeter ersetzten die grobe Einschätzung des Maurers. In der Wiederaufbauzeit nach 1945 wurde diese Tendenz durch den enormen Wohnraumbedarf verstärkt; vorgefertigte Elemente erforderten ein Tagesmaß, das bereits am Reißbrett feststand. Keine Spielräume mehr. Die Einführung der DIN-Normen im zwanzigsten Jahrhundert formalisierte diese Praxis vollständig. Was als natürliche Begrenzung des Sonnenlichts begann, entwickelte sich zu einem strengen rechtlichen und technischen Instrument zur Gewährleistung von Zugänglichkeit und Sicherheit im modernen Bausektor.