Beschreibung
Ausführung und konstruktive Umsetzung
Bauliche Anlage
Der Bau einer Krypta beginnt in der Fundamentierungsphase des Kirchengebäudes. Man hebt einen vertieften Raum unter dem geplanten Chor aus, wobei die Tiefe oft vom örtlichen Grundwasserspiegel abhängt. Schwere Fundamente bilden die Basis. Dicke Mauern aus Naturstein oder Ziegel werden aufgeführt, um dem seitlichen Erddruck zu widerstehen. Die räumliche Gliederung folgt meist den Konturen der darüberliegenden Apsis oder des Chores. Pfeiler werden in einem Raster angeordnet. Diese massiven Auflager tragen den Ansatz der Gewölbe.
Das Mauern der Überwölbung erfordert Präzision. Häufig werden niedrige Kreuzgewölbe oder Tonnengewölbe verwendet, die den Druck des darüberliegenden Altares und des Chorbodens auf die dicken Außenwände und die inneren Stützen verteilen. Die Höhe ist begrenzt. Dadurch entsteht die typische gedrungene Gestaltung. In der Praxis fungiert die gesamte Krypta als massiver Sockel. Der Chorboden der Kirche wird dadurch physisch angehoben, was oft zu einer architektonischen Zweiteilung mit Treppen zu beiden Seiten des Kryptazugangs führt.
Belüftung und Lichteinfall werden über kleine Fensteröffnungen im Sockel der Kirchenfassade, knapp über dem Gelände, realisiert. Diese Öffnungen sind entscheidend für die Ableitung von Feuchtigkeit aus den dicken Mauern. Im Boden werden häufig Aussparungen für Grabkammern belassen oder es wird eine zentrale Erhöhung für die Aufstellung von Reliquienschreinen gemauert. Die Zugangstreppen werden direkt in die dicken Mauerkonstruktionen oder neben dem Chorumgang ausgespart, wobei die Stufen oft aus schwerem, verschleißfestem Material gefertigt werden, um die Zugänglichkeit für Pilger oder Geistliche zu gewährleisten.
Typologie und Formvarianten
Erscheinungsformen der Krypta
Die architektonische Ausführung einer Krypta hängt eng mit der liturgischen Funktion und dem Maßstab des Oberbaus zusammen. Man unterscheidet verschiedene Grundformen, die jeweils eine eigene konstruktive Logik aufweisen.
- Ringkrypta: Diese Variante folgt der halbrunden Form der Apsis. Sie ist im Grunde ein Gang, der Pilgern die Möglichkeit bot, an einer zentral gelegenen Reliquie vorbeizugehen, ohne den Gottesdienst in der Oberkirche zu stören. Oft befindet sich in der Mitte eine Confessio, die eigentliche Grabkammer.
- Hallenkrypta: Ein mehrschiffiger Raum. Diese Variante erstreckt sich unter dem gesamten Chor und manchmal sogar unter dem Querhaus. Schlanke Säulen oder massive Pfeiler tragen einen Wald von Kreuzgewölben. Sie schafft eine monumentale Unterkirche, die in der Grundfläche dem Chor darüber kaum nachsteht.
- Stollenkrypta: Diese besteht aus verschiedenen Gängen oder Stollen, die tief in den Boden oder unter die Fundamente vordringen. Sie sind oft weniger strukturell mit den darüberliegenden Gewölben verbunden als die Hallenkrypta.
- Kammerkrypta: Ein einfacher, oft rechteckiger Raum. Funktional. Direkt unter dem Altar gelegen.
Obwohl der Begriff oft synonym mit Grablege verwendet wird, ist die Krypta baulich gesehen komplexer. Eine Grablege ist primär eine utilitäre Einrichtung zur Beisetzung von Verstorbenen. Die Krypta hingegen ist ein vollwertiger architektonischer Raum, komplett mit Altären und manchmal eigenen Seitenkapellen. Die Unterscheidung zu Katakomben ist ebenfalls wesentlich. Katakomben bilden ein ausgedehntes Netzwerk unterirdischer Gänge und Begräbnisstätten außerhalb der Kirchenmauern, während eine Krypta stets integraler Bestandteil des Kirchenfundaments ist.
Manchmal spricht man von einer Oberirdischen Krypta. Das scheint ein Widerspruch. Dennoch kommt es bei Kirchen vor, die an einen Hang gebaut sind. Der Raum befindet sich dann unter dem Chor, hat aber auf der Talseite vollwertige Fenster. Die Bauphysik verändert sich dadurch erheblich; die Belüftung ist einfacher, aber der seitliche Druck auf die Mauern durch den Baugrund ist asymmetrisch. Das erfordert zusätzlich schwere Strebepfeiler an der freien Seite.
Praxisbeispiele und visuelle Merkmale
Die Krypta im Kircheninneren
Man geht durch das Schiff einer alten Basilika in Richtung Altar. Was sofort auffällt, ist, dass der Chor meterhoch über dem übrigen Kirchenboden aufragt. Dieser Höhenunterschied ist ein eindeutiges Zeichen. Die Krypta darunter zwingt die Architektur nach oben. An den Seiten der Treppe zum Chor sieht man oft zwei kleinere, abwärtsführende Treppen. Diese führen direkt in die Kühle. Unten angekommen steht man zwischen gedrungenen Säulen mit schweren Kapitellen. Die Decke ist niedrig. Die Atmosphäre ist dumpf. Hier spürt man die enorme Masse des Oberbaus, die auf den Gewölben lastet.
Oberirdische Hinweise
Man geht außen um die Apsis der Kirche herum. Man blickt auf den Sockel, knapp über dem Gelände. Dort sieht man kleine, oft bogenförmige Öffnungen mit Gitterwerk. Dies sind die Lüftungsöffnungen der Krypta. Umgangssprachlich werden sie manchmal als "Kuhfenster" bezeichnet. Sie sitzen fast am Boden. Sie sind wesentlich für die Bauphysik; ohne diese Öffnungen könnte die Feuchtigkeit aus dem Boden nirgendwohin entweichen, was verhängnisvoll für die Stabilität des historischen Mauerwerks wäre. In einer Stadt wie Maastricht, bei der Basilika Onze-Lieve-Vrouw, ist dieses konstruktive Zusammenspiel zwischen dem erhöhten Chorbereich und dem darunterliegenden Fundamentraum von der Straßenseite aus perfekt sichtbar.
Raumerlebnis und Material
In einer Hallenkrypta erlebt man einen "Wald" aus kurzen Pfeilern. Der Abstand zwischen den Auflagern ist gering. Das muss auch so sein. Der Druck des steinernen Altares direkt über dem Kopf ist gigantisch. Man sieht oft, dass der Boden der Krypta aus einfachen Estrichplatten oder Natursteinplatten besteht. Das Mauerwerk der Gewölbe ist manchmal rauer ausgeführt als in der Oberkirche. Es ist rein konstruktiv. Hier trifft man keine großen Fenster an, sondern dicke Wände, die den seitlichen Druck des umgebenden Erdreichs aufnehmen. Es ist eine stabile, statische Umgebung, in der die Temperatur das ganze Jahr über nahezu gleich bleibt.