Beschreibung
Anwendung in der Schalungstechnik
Der Vorgang beginnt bei der Vorbereitung der Abstandshalter. Jedes Hüllrohr erhält auf beiden Seiten einen Konus aufgesteckt. Festgeklemmt. Dieses Ganze fungiert als starre Verbindung zwischen den Schalungswänden. Sobald die Wände stehen, werden die Ankerstäbe durch die Konen und das Rohr gesteckt. Festziehen. Der Druck der Muttern zieht die Schalung fest gegen die flache Seite des Konus.
Während des Betonierens hält der Konus den Betonmörtel aus dem Hüllrohr. Keine Leckage. Die kegelförmige Gestalt sorgt dafür, dass der Druck gleichmäßig über die Kontaktfläche mit der Schalungsplatte verteilt wird. Nach dem Aushärten des Betons folgt das Ausschalen. Die Ankerstäbe werden entfernt. Die Konen sitzen dann noch in die Betonfläche gepresst. Die Entfernung erfolgt meist mit einem Konusschlüssel oder einem ähnlichen Hilfsmittel, das in die Einkerbungen des Konus greift. Drehen und ziehen. Durch die konische Form löst sich das Kunststoff- oder Gummitteil sofort von der Wand.
Schließlich bleibt die charakteristische kegelförmige Aussparung zurück. Dieses Loch markiert die Stelle, an der die Schalung fixiert war. Die Nachbehandlung dieser Löcher bildet den letzten Schritt der Ausführung, wobei häufig Betonstopfen oder spezieller Reparaturmörtel verwendet werden, um die Wand wieder wasser- oder luftdicht zu machen.
Materialien und Dimensionierung
In der täglichen Baupraxis dominiert der Kunststoffkonus, meist aus PE (Polyethylen) oder PVC hergestellt. Diese Variante ist kostengünstig und durch die glatte Oberfläche einfach aus ausgehärtetem Beton herauszuwiegen. Die Standardabmessungen sind fast immer an den Durchmesser des verwendeten Ankerstabs und Hüllrohrs gekoppelt. Man spricht dann oft vom 15/22-Konus. Dabei ist die 15 das Maß des Dywidag-Ankerstabs in Millimetern und die 22 der Innendurchmesser des Kunststoff-Abstandsrohrs, in das der Konus gesteckt wird. Für schwerere Konstruktionen, bei denen dickere Stäbe benötigt werden, weicht der Markt auf die 20/26-Variante aus. Die Maßhaltigkeit ist entscheidend. Eine falsche Paarung führt unweigerlich zum Austritt von Zementwasser in das Rohr, was den Ankerstab festsetzt.
| Typ | Anwendung | Merkmal |
|---|---|---|
| Kunststoff (Standard) | Allgemeiner Betonbau | Wiederverwendbar, glatte Oberfläche |
| Gummi-Konus | Wasserdichte Konstruktionen | Hohe Abdichtung gegen die Schalung |
| Farbige Konen | Projektspezifische Markierung | Oft zur temporären visuellen Kontrolle |
Sichtbeton und Wasserdichtigkeit
Sichtbeton stellt andere Anforderungen. Hierbei ist die Ästhetik des zurückbleibenden Konuslochs entscheidend für das Fassadenbild. Spezielle Sichtbetonkonen haben eine schärfere Kante, die für eine lupenreine Abzeichnung in der Betonfläche sorgt. Keine Ausfransungen. Keine Leckagespuren. Bei Projekten, bei denen Wasserdichtigkeit eine harte Anforderung ist, wie in Kellern oder Becken, werden oft Gummikonen eingesetzt. Gummi verformt sich unter dem Druck der Ankerstabmutter. Es dichtet das Hüllrohr hermetisch gegen die Schalungsplatte ab. So hat flüssiger Zement keine Chance, zwischen die Fugen zu kriechen.
Es besteht manchmal Verwirrung zwischen dem temporären Konus und der permanenten Abdichtung. Obwohl der Begriff 'Konus' meist das wiederverwendbare Hilfsmittel bezeichnet, werden auch die kegelförmigen Stopfen aus Glasfasbeton manchmal so genannt. Diese Betonkonen oder Konusstopfen sind jedoch für die Nachbehandlung gedacht; sie werden mit Zweikomponentenkleber in das Loch eingeklebt, um die Wand wieder konstruktiv und ästhetisch zu verschließen. Der wiederverwendbare Konus ist das Werkzeug, der Betonstopfen das Endprodukt.
Praxisszenarien und visuelle Erkennung
Gehen Sie über eine Baustelle, auf der gerade eine Wand ausgeschalt wurde. Ein sauberes Raster von schattigen Vertiefungen zeichnet sich in der grauen Oberfläche ab. Dies sind die charakteristischen Abdrücke der Konen. Im gewerblichen Bau begegnet man diesem Muster überall. Man denke an die Wände eines Parkhauses oder die enormen Pfeiler eines Viadukts. Die Löcher verraten genau, wo die Schalung mit Ankerstäben festgeklemmt wurde.
Ein Schalungsmonteur füllt seinen Eimer mit knallig gefärbten Kunststoffkappen. Meist knallgelb oder blau. Er drückt sie mit einer kurzen, kräftigen Bewegung in die Enden der Hüllrohre. Klick und fest. Kein Spielraum. Ohne diese kleinen Teile würde der flüssige Betonmörtel die Rohre verstopfen. Dann bekommt man die Ankerstäbe nie mehr los. Ein vergessener Konus bedeutet unweigerlich Ärger. Die Zementpaste läuft in das Rohr. Der Stab sitzt fest. Statt einer reibungslosen Demontage folgt dann ein Nachmittag mit der Trennscheibe und dem Abbruchhammer. Ein kleines Kunststoffteil für ein paar Cent erspart hier Stunden teurer Reparaturarbeit.
Beim Villenbau mit Sichtbeton erhält der Konus eine ästhetische Hauptrolle. Die Löcher werden hier nicht einfach mit einem Klecks Mörtel zugeschmiert. Der Architekt hat oft einen bestimmten Schatteneffekt vor Augen. Er wählt tiefer liegende Betonstopfen oder gar Edelstahlstopfen. Der verwendete Konus bestimmte während des Betonierens die genaue Tiefe und die Schärfe des Randes dieser visuellen Details. Technik, die direkt in Architektur übergeht.
Normative Rahmenbedingungen für die Ausführung
Konstruktive Sicherheit und Ausführung
Beton muss stehen. Die Grundlage bildet das Baurecht, das allgemeine Anforderungen an die Festigkeit und Stabilität von Konstruktionen stellt. Spezifischer ist die DIN EN 13670. Diese Norm für die Ausführung von Betonkonstruktionen legt fest, dass Hilfsmittel die Dauerhaftigkeit des Betons nicht gefährden dürfen. Der Konus ist ein solches Hilfsmittel. Obwohl temporärer Natur, darf die zurückbleibende Aussparung die Mindestbetondeckung der Bewehrung nicht nachteilig beeinflussen. Die Integrität der Wand ist maßgebend.
Arbeitsschutzvorschriften spielen bei der Demontage eine Rolle. Die Verwendung geeigneter Werkzeuge zum Entfernen der Konen ist notwendig, um körperliche Belastung und Unfälle durch herausschießende Teile zu begrenzen. Sicheres Arbeiten ist keine Option, sondern eine Pflicht.
Sichtbeton und ästhetische Richtlinien
DBV-Merkblatt Sichtbeton
Das Auge will etwas sehen. Bei Sichtbeton ist das DBV-Merkblatt Sichtbeton der Leitfaden für den Ausführenden. Diese Richtlinie klassifiziert die visuelle Qualität von Betonflächen. Die Abzeichnung der Konuslöcher fällt direkt darunter. Positionen müssen stimmen. Abweichungen im Raster der Ankerstäbe führen zu ästhetischer Ablehnung. Der Konus muss eng an der Schalung anliegen, um Leckwasser und Grate zu vermeiden, wie für die höheren Qualitätsklassen (zum Beispiel Klasse A oder B) gefordert.
- Einhaltung der Toleranzen im Lochraster.
- Korrekte Tiefe der zurückbleibenden konischen Form.
- Wasserdichtigkeitsanforderungen bei Kellern gemäß den geltenden Bemessungsnormen für Betonkonstruktionen.
Bei wasserdichten Konstruktionen ist der Konus nicht nur ein Abstandshalter. Er ist Teil eines Systems, das verhindern muss, dass der Ankerstab einen Leckagepfad bildet. Die Regelwerke fordern hier eine garantierte Dichtheit nach der Nachbehandlung.
Vom Rüststahl zur Systemschalung
Früher war Betonbau eine Frage von viel Holz und noch mehr Improvisation. Ankerstäbe bestanden einfach aus Eisenstäben oder Gewindestangen, die direkt durch die hölzernen Schalungsbretter gesteckt wurden. Kein Konus. Kein Hüllrohr. Nach dem Betonieren blieb der Stahl oft dauerhaft in der Wand zurück; man schliff die Enden einfach ab. Dies führte unweigerlich zu Rostbildung und Undichtigkeiten. Die industrielle Revolution im Bauwesen, die nach dem Zweiten Weltkrieg richtig in Gang kam, veränderte die Spielregeln vollständig. Geschwindigkeit wurde zur neuen Norm.
Mit der Einführung wiederverwendbarer Stahl-Systemschalungen in den fünfziger und sechziger Jahren entstand ein technisches Problem. Wie verhindert man, dass die Ankerstäbe im aushärtenden Beton festfrieren? Man experimentierte anfangs mit Holzklötzchen oder konischen Metallhülsen, aber diese waren schwer zu entfernen und boten wenig Schutz gegen das Eindringen von Zementwasser in das Schutzrohr. Der Durchbruch thermoplastischer Kunststoffe wie Polyethylen (PE) in den siebziger Jahren bot die Lösung. Kostengünstig. Glatt. Maßhaltig.
Der Konus entwickelte sich von einem rudimentären Aufsatz zu einem standardisierten Präzisionsteil. Vor allem der Aufstieg der weltweit eingesetzten Dywidag-Gewindestange sorgte für eine Vereinheitlichung der Abmessungen. Hersteller stimmten ihre Konen auf dieses spezifische Gewinde und die zugehörigen Kunststoff-Abstandshalter ab. In den folgenden Jahrzehnten verlagerte sich der Fokus von rein funktionaler Abdichtung zu ästhetischer Perfektion. Was einst als einfaches Hilfsmittel begann, um zu verhindern, dass ein Stab festsaß, wurde zu einem unverzichtbaren Instrument für die Architektur. Der charakteristische 'Konusabdruck' wurde zum Symbol für modernen Betonbau, wobei die Geschichte des Handwerks im glatten Endergebnis sichtbar bleibt.