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BAUSTOFFE UND ROHSTOFFE

Kaschierung

Eine Kaschierung ist eine Deckschicht auf Dämmmaterial, die vor Feuchtigkeit und Brand schützt und die Verarbeitbarkeit verbessert.

Stand: 05.11.2026

DEFINITION

Eine Kaschierung ist eine Deckschicht, die auf Dämmmaterial aufgebracht wird, vor allem zum Schutz vor Feuchtigkeit und um das Material besser verarbeitbar zu machen.

Beschreibung

Die Kaschierung wird auf Dämmplatten wie PIR, PUR, EPS, Glaswolle und Steinwolle befestigt. Das Wort „kaschieren“ bedeutet „abdecken“. Diese Schicht ist besonders wichtig bei Dämmstoffen mit offener Struktur, wie Mineralwolle, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Nasses Dämmmaterial dämmt nämlich schlechter. Die Kaschierung kann auch als Dampfsperre dienen und Schutz vor Brand oder Schmelzen bieten, wenn bituminöse Dachabdichtungen mit dem Brenner verlegt werden. Darüber hinaus kann eine Kaschierung die Dämmplatte während der Montage besser handhabbar machen und beim Aufbringen der endgültigen Dachabdichtung helfen, beispielsweise durch Verklebung.

Ausführung

Eine Kaschierung wird im Werk auf den Dämmkern aufgebracht. Das Aufbringen erfolgt während des Produktionsprozesses der Dämmplatte selbst. Bei PIR- und PUR-Platten wird die Kaschierung oft mit in die Presse gelegt, sodass sie direkt am Schaumkern haftet. Bei Mineralwolle wird die Schicht später aufgeklebt oder mittels einer Wärmebehandlung befestigt. Die Wahl des Kaschierungsmaterials bestimmt die Montage. Aluminiumfolie wird verarbeitet, ohne dass eine zusätzliche Dampfsperre erforderlich ist. Bei der Anwendung auf Flachdächern mit bituminöser Abdichtung muss die Kaschierung brandbeständig sein: Ein Glasvlies oder eine Mineralbeschichtung kann dann der Hitze des Brenners widerstehen, ohne sich zu verformen. Auf der Baustelle liegen die Platten mit Kaschierung zur Verarbeitung bereit. Sie werden direkt gegen den tragenden Teil der Konstruktion gesetzt. Die Kaschierung bildet die Außenfläche. Bei der Dachdämmung kommt die Dampfsperre an die warme Seite, die Kaschierung an die kalte Seite. Das Verkleben der oberen Dachabdichtung erfolgt anschließend auf dem festen, ebenen Untergrund der Kaschierung.

Ursachen und Folgen

Probleme mit einer Kaschierung entstehen meist durch eine falsche Materialwahl oder Beschädigung während der Bauphase. Eine brennbare Kaschierung bei einer mit dem Brenner verlegten bituminösen Dachabdichtung. Diese Kombination führt zum Schmelzen oder Wegkokeln der Abdichtung. Das Dämmmaterial liegt dann direkt frei.

Beschädigungen während Transport oder Montage. Ein Riss in der Aluminiumfolie hebt die dampfsperrende Wirkung auf. Feuchtigkeit aus der Konstruktion kondensiert anschließend im Dämmkern. Das Dämmvermögen sinkt merklich. Bei Mineralwolle ist dieser Effekt größer als bei geschlossenzelligen PIR-Platten.

Unzureichende Haftung zwischen Kaschierung und Dämmkern. Delaminierung tritt auf, die Schicht löst sich. Die Deckschicht funktioniert nicht mehr als Schutz. Bei mechanischer Befestigung der Dachabdichtung kann die Kaschierung reißen, wodurch sich die Verankerung verschlechtert.

Folgen in der Praxis: ein nasser Dachaufbau, Wärmebrücken an Stellen, wo die Schicht fehlt, und letztlich eine kürzere Lebensdauer des gesamten Dachsystems.

Arten und Varianten

Die Variation liegt im Material der Kaschierung. Jeder Typ hat eine eigene Funktion.

Aluminiumfolie. Die am häufigsten eingesetzte Kaschierung. Wirkt dampfdicht und reflektiert Wärmestrahlung. Sitzt standardmäßig auf PIR- und PUR-Platten. Die Folie ist dünn, aber anfällig für Beschädigung.

Glasvlies oder Glasgewebe. Brandbeständig, keine dampfsperrende Wirkung. Speziell für Flachdächer gedacht, auf denen Bitumen mit dem Brenner verlegt wird. Die Hitze des Brenners greift diese Schicht nicht an.

Mineralbeschichtung. Eine Schicht auf Mineralbasis, oft in Kombination mit Glasvlies. Ebenfalls brandbeständig. Bietet eine leicht raue Oberfläche für eine gute Verklebung von Dachbahnen.

Kunststofffolie. Dampfsperrend, aber weniger hitzebeständig als Aluminium. Wird bei Platten verwendet, die verklebt oder mechanisch befestigt werden, nicht beim Brennen.

Profiliertes oder gestanztes Metall. Selten als Kaschierung bezeichnet, aber bei Sandwichpaneelen für Fassaden oder Dächer fungiert die Stahl- oder Aluminiumaußenseite ebenfalls als Schutz. In diesem Zusammenhang spricht man meist von der „Metalldeckschicht“ oder „Deckschicht“.

Verwechslung entsteht manchmal mit dem Begriff Dampfsperre. Diese sitzt an der warmen Innenseite der Konstruktion. Eine Kaschierung sitzt an der kalten Außenseite. Ob eine Kaschierung dampfsperrend ist, hängt vom Material ab, bei Aluminium ja, bei Glasvlies nicht.

Praxisfälle

Auf dem Flachdach eines Hauses von 1995

Der Bauunternehmer verlegt PIR-Platten mit einer Aluminiumkaschierung. Die Folie liegt an der Oberseite. Der Dachdecker brennt anschließend die bituminösen Dachbahnen darauf. Innerhalb einer Minute ist die Aluminiumschicht stellenweise geschmolzen. Der Dämmkern liegt nun frei. Das Bitumen haftet nicht mehr. Die Lösung: PIR mit Glasvlies-Kaschierung, die der Brennerhitze widerstehen kann.

Bei der Sanierung eines Steildachs

Die alte Glaswolle zwischen den Pfetten ist ersetzt. Die neuen Platten haben eine Kunststoffkaschierung an der Außenseite. Der Zimmermann sieht, dass die Schicht an mehreren Stellen während des Anpassens gerissen ist. Folge: Feuchtigkeit aus der Außenluft kondensiert in der Wolle. Der Dämmwert sinkt. Eine schnelle Reparatur mit luftdichtem Klebeband stellt die dampfsperrende Funktion wieder her.

Während der Anlage eines Industriebodens

Auf dem Betonboden liegen EPS-Platten mit einer Mineralbeschichtung als Kaschierung. Die Konstruktion ist umgekehrt: Dämmung über der Abdichtung. Die Beschichtung hat eine raue Oberfläche, ideal für den Kleber des Estrichs. Ohne diese Schicht würde der Estrich nicht haften und es entstünden lose Flächen im Boden.

Vorschriften und Regelwerk

Für eine Kaschierung gibt es kein spezielles Gesetz, das ihre Verwendung festlegt. Allgemeine Bauvorschriften spielen jedoch eine Rolle. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) stellt Anforderungen an die Wärmedämmung eines Gebäudes. Die Kaschierung ist Bestandteil dieses Dämmpakets. Wenn die Schicht eine dampfsperrende Funktion hat, berührt dies die Feuchtigkeitskontrolle, eine Anforderung zur Vermeidung von Schäden und Gesundheitsrisiken. Die dampfsperrende Wirkung einer Aluminiumkaschierung muss in die Feuchtebilanz der gesamten Konstruktion passen, wie sie nach den anerkannten Regeln der Technik beurteilt wird. Diese Regeln geben eine Berechnungsmethode für Feuchtigkeit in Baukonstruktionen vor und prüfen, ob die Dampfsperre an der richtigen Seite sitzt. Weiterhin kann der Brandschutz der Kaschierung relevant sein. Wenn die Schicht Teil einer brandschutztechnischen Konstruktion ist, etwa bei einer brandschutztechnischen Dach- oder Fassadenbekleidung, muss die Brandklasse des Materials den Anforderungen der Landesbauordnungen (MBO/LBO) entsprechen. Der Lieferant der Dämmplatte gibt diese Brandklasse in der Leistungserklärung an. Der Verarbeiter prüft, ob diese Klasse zur Anwendung passt. Der Zusammenhang ist, dass die Kaschierung kein eigenständiges Produkt ist, sondern eine funktionale Schicht in einem System, das übergreifenden Regeln entsprechen muss.

Entstehung und Entwicklung

Das Konzept der Kaschierung entstand mit dem Aufkommen künstlicher Dämmstoffe in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. PIR und PUR wurden als hochwertige Dämmung verfügbar, doch ihre Zellenstruktur war feuchtigkeitsempfindlich. Die ersten Hersteller brachten eine dünne Aluminiumfolie an, um den Kern zu schützen. Das war wirksam, aber nicht brandbeständig.

In den siebziger und achtziger Jahren wurde das Brennen bituminöser Dachabdichtungen auf Flachdächern zum Standard. Die Hitze des Brenners schmolz die Aluminiumschicht. Hersteller entwickelten daraufhin Kaschierungen aus Glasvlies oder Mineralbeschichtung, die der Temperatur widerstehen konnten. Die dampfsperrende Funktion blieb bei Aluminium, bei Glasvlies entfiel sie gerade.

Die Baubranche stellte bei Dächern langsam von Mineralwolle auf PIR um. Die Kaschierung veränderte sich mit. Wo Glaswolle einst eine einfache Papierumhüllung hatte, erhielten Platten nun einen mehrlagigen Aufbau. Die Kaschierung wurde Teil des Systems, keine lose Zugabe mehr.

Vorschriften erzwangen eine bessere Feuchtigkeitskontrolle. Die anerkannten Regeln der Technik legten fest, wie Dampfsperren in der Konstruktion sitzen mussten. Die Kaschierung erhielt damit eine Doppelfunktion: Schutz während der Bauzeit und Teil der bauphysikalischen Leistung.

Häufige Fragen

Was ist eine Kaschierung?
Eine Kaschierung ist eine Deckschicht, die auf Dämmmaterial aufgebracht wird. Sie dient vor allem dem Schutz vor Feuchtigkeit und dazu, das Material besser verarbeitbar zu machen.
Was sind die wichtigsten Funktionen einer Kaschierung?
Die wichtigsten Funktionen sind der Schutz des Dämmmaterials vor eindringender Feuchtigkeit und die Vermeidung von Schäden durch Brand oder Schmelzen. Darüber hinaus kann sie als Dampfsperre dienen und die Dämmplatte während der Montage besser handhabbar machen.
Auf welche Dämmstoffe wird eine Kaschierung aufgebracht und wann ist sie nicht nötig?
Kaschierungen werden auf Dämmplatten wie PIR, PUR, EPS, Glaswolle und Steinwolle befestigt, besonders bei Materialien mit offener Struktur. Bei Dämmstoffen mit geschlossener Zellenstruktur, wie XPS, ist eine Kaschierung oft nicht nötig, da diese von sich aus feuchtigkeitsbeständig sind.