Beschreibung
Gestaltung und konstruktive Ausführung
Die Realisierung eines Festoons erfordert eine sorgfältige plastische Planung. Der Handwerker geht von einem ebenen Untergrund aus. Bei Natursteinfassaden wird die Form häufig direkt aus dem Baumaterial gehauen, wobei die Andeutung von Schwerkraft und Volumen wesentlich für die visuelle Glaubwürdigkeit des 'hängenden' Effekts ist. Die Schattenwirkung bestimmt alles. Ohne tiefes Relief verliert das Ornament in großer Höhe seine Wirkung.
Für die serienmäßige Anwendung in der klassischen Architektur verwendete man häufig Formen, in die Kalkmörtel, Gips oder später Gusseisen gegossen wurde. Das Ergebnis wird anschließend an der Fassade angebracht und mechanisch verankert. Diese Befestigungspunkte sind entscheidend. Wo die Girlande zu 'hängen' scheint, wird die Verbindung zum Untergrund durch Schleifen, Rosetten oder Köpfe visuell betont. Der Fachmann achtet dabei genau auf die Symmetrie gegenüber Fensterpartien oder Frontons. Ein Festoon ist nie ein isoliertes Element; es bildet einen integralen Bestandteil der horizontalen Gliederung. Die Biegung in der Mitte folgt einer natürlichen Kurve. Sie suggeriert Geschmeidigkeit in starrem Material.
Inhaltliche Varianten und Symbolik
Das Festoon kennt verschiedene Erscheinungsformen, wobei die Füllung die symbolische Bedeutung bestimmt. Ein Früchtefestoon wirkt massiv und schwer. Dicke Trauben von Weintrauben, Granatäpfeln und Äpfeln suggerieren Überfluss und Wohlstand. Häufig am Fries eines repräsentativen Gebäudes verwendet. Laubfestons sind zurückhaltender. Lorbeerblätter für den Sieg oder Eichenlaub für Standhaftigkeit und Kraft.
Manchmal sieht man das Festoon mit tierischen Elementen kombiniert. Das Bukranien-Festoon ist hierbei die auffälligste Variante. Dabei hängt die Girlande zwischen den Schädeln geopferter Ochsen. Dies ist ein direkter Verweis auf die römische Antike. Im Rokoko kommen wiederum Blumenfestons auf. Heller im Ton. Fragiler. Rosen und lockerere Bänder, die die starre Architektur mit einer verspielten, fast federleichten Kurve durchbrechen.
Terminologie und Abgrenzung
Verwechslungsgefahr besteht bei den Begriffen Festoon und Girlande. Technisch gesehen sind sie Synonyme. In der baulichen Praxis neigt der Begriff Festoon jedoch spezifisch zur monumentalen, festen Ausführung in harten Materialien wie Naturstein oder Stuck. Girlande wird häufiger für die tatsächliche, vergängliche Verzierung aus echten Blumen und Zweigen während Festlichkeiten verwendet.
Eine entscheidende Unterscheidung ist vom Fruchtstück oder der Pendantif zu treffen. Ein Festoon hängt horizontal zwischen zwei Punkten. Ein Fruchtstück hängt vertikal von einem einzigen Aufhängepunkt nach unten. Man sieht dies häufig an den Seiten eines Fensters oder einer Türrahmung. Obwohl die verwendeten Motive, Früchte, Blumen, Schleifen, identisch sind, sorgt die Schwerkraft bei einem Fruchtstück für eine gerade, abwärts gerichtete Linie statt der charakteristischen Bogenform des Festoons.
Praxisfälle und visuelle Erkennung
Man stelle sich vor: ein Restaurierungsprojekt eines Grachtenhauses aus dem 17. Jahrhundert. Hoch über dem Kranzgesims sieht man ein Festoon aus Sandstein. Der Steinmetz hat die Weintraubentrauben so tief ausgehauen, dass beinahe Vögel darin nisten könnten. Von unten betrachtet sorgt diese extreme Tiefe für ein dramatisches Schattenspiel; ohne dieses Relief würde das Ornament in dreißig Metern Höhe völlig gegen die Fassade zurücktreten. Es ist keine flache Dekoration. Es ist Volumen, das die Masse des Steins bricht.
In der zentralen Halle eines monumentalen Rathauses lässt sich die Verarbeitung in Holz gut studieren. Man betrachte die Umrahmung einer schweren Eichentür. Zwischen den Kapitellen der Pilaster hängt ein hölzernes Festoon. Ein straffer Bogen aus Eichenlaub. Genau in der Mitte berührt der Bogen fast den Türsturz. Die Enden laufen in messerscharf geschnittenen Schleifen aus, die nach unten zu flattern scheinen. Hier sieht man, wie starres Material die Geschmeidigkeit von Textil nachahmt. Eine technische Meisterleistung des Handwerkers.
Die Erkennung im Feld erfordert einen scharfen Blick für die Aufhängung. Man geht an einer neoklassizistischen Fassade entlang. Links und rechts eines Fensters hängen vertikale Fruchttrauben. Verlockend, dies Festons zu nennen, doch das ist ein häufig gemachter Fehler. Dies sind Fruchtstücke. Man blicke vielmehr direkt nach oben, zum Fries unter dem Fronton. Dort sieht man die horizontale Verbindung. Die Girlande, die von Konsole zu Konsole springt und in der Mitte natürlich durchhängt. Die Verbindung zwischen zwei deutlichen Punkten ist der unumstößliche Beweis: dies ist das Festoon.
Rahmen für den monumentalen Erhalt
Die Instandhaltung von Fassadenornamentik ist selten unverbindlich. Das Denkmalschutzrecht setzt strikte Rahmen für den Erhalt historischer Bauteile an ausgewiesenen Denkmalen. Für Eingriffe an einem Baudenkmal ist eine denkmalrechtliche Genehmigung unumgänglich, wobei der Erhalt des Festoons in seiner ursprünglichen Materie, sei es Bentheimer Sandstein, Eichenholz oder Kalkstuck, im Vordergrund steht. Keine modernen Kopien aus Verbundwerkstoff ohne ausdrückliche Zustimmung der Denkmalbehörde. Dabei gilt die Restaurierungsleiter: Konservieren geht vor Reparieren, und Reparieren geht vor Erneuern. Die Dokumentation der vorhandenen Kurve und der Profilierung des Festoons ist häufig Voraussetzung, bevor der Steinmetz oder Stuckateur den Meißel zur Hand nimmt.
Sicherheit und Sorgfaltspflicht in der Landesbauordnung
Konstruktive Sicherheit ist eine harte Anforderung innerhalb der Landesbauordnungen. Ein Festoon an einer Fassade ist schwer. Mitunter hunderte Kilo Naturstein. Die allgemeine Sorgfaltspflicht der Eigentümer schreibt vor, dass Fassadenelemente keine Gefahr für Passanten darstellen dürfen. Lose Ornamente müssen gesichert werden. Verwitterte schmiedeeiserne Anker, die durch Rostbildung aufquellen und den Stein von innen zum Bersten bringen, stellen ein unmittelbares Risiko dar. In der professionellen Praxis folgen Restauratoren den Ausführungsrichtlinien (URL) der Stiftung ERM für die Instandsetzung und Verankerung. Eine Prüfung der Verankerung ist bei monumentalen Gebäuden häufig fester Bestandteil des periodischen Instandhaltungszyklus, wobei nicht selten zerstörende Untersuchungen oder Röntgenscans erforderlich sind, um den inneren Zustand der Befestigung zu beurteilen.
Historische Entwicklung des Festoons
Es begann beim Opferritual. Kein Stein, sondern vergängliches Grün. In der klassischen Antike hingen Griechen und Römer echte Girlanden aus Blumen und Früchten an Altären und Tempeln, wobei der Übergang zur Architektur ein bewusster Versuch war, diesen vorübergehenden Festesausdruck für die Ewigkeit in Marmor festzuhalten. Die Ara Pacis in Rom zeigt diese frühe, versteinerte Vollkommenheit. Das Ornament diente hier nicht nur als Verzierung. Es war eine bleibende Erinnerung an Frömmigkeit und Überfluss.
Im Mittelalter vergessen, in der Renaissance wiederentdeckt. Italienische Architekten griffen auf die antike Formensprache zurück und machten das Festoon zu einem festen Bestandteil der Friese innerhalb der klassischen Ordnungen. Im 17. Jahrhundert erreichte die Anwendung im Klassizismus einen technischen Höhepunkt. Jacob van Campen und Pieter Post integrierten die Girlande in das schlichte Backstein- und Sandsteinbild des Goldenen Zeitalters. Es wurde ein Statussymbol für das aufstrebende Bürgertum. Die Detaillierung wurde feiner. Die Symbolik wurde regionaler. Statt ausschließlich mediterraner Früchte erschienen häufiger einheimische Gewächse und Blumen im Bildhauerwerk repräsentativer öffentlicher Gebäude.
Das 19. Jahrhundert brachte die Reproduktion. Vom Unikat zur Serienproduktion. Durch den Aufstieg von Gusseisen und Stuck wurde das Festoon für die Masse erreichbar. Neostile wiederholten die Motive in großem Umfang, wenngleich die handwerkliche Tiefe mancherorts flacheren, gegossenen Formen wich, die schneller verwitterten. Mit dem Aufkommen der Moderne im 20. Jahrhundert verschwand das Festoon nahezu vollständig aus der Nebaupraxis. Ornamentik galt als überflüssig. Der Fokus verschob sich auf die konstruktive Reinheit von Beton und Glas. Das Festoon blieb nur noch an den Fassaden der historischen Altstadt als versteinerte Echo eines vergangenen Rituals zurück.