Beschreibung
Ausführung und Methodik
Die Ausführung beginnt mit der Profilierung der Metallbahnen. Oft geschieht dies direkt auf der Baustelle mit einer mobilen Profiliermaschine, wobei das flache Blech an den Seiten mit einem aufstehenden Rand versehen wird. Diese Profilierung erzeugt ein männliches und ein weibliches Teil, auch Unterfalz und Oberfalz genannt. Nach dem Positionieren der ersten Bahn auf der Unterkonstruktion werden Clips angebracht. Diese metallenen Befestigungsclips greifen über den aufstehenden Rand und werden auf dem Untergrund verschraubt. Dadurch bleibt das Metall ununterbrochen; es gehen keine Schrauben durch das Blech selbst.
Anschließend wird die nächste Metallbahn über die Clips und den Rand der vorherigen Bahn gelegt. Die eigentliche Verbindung entsteht durch das mechanische Umbiegen dieser aufstehenden Ränder. Bei einer einfachen Stehfalz wird der Rand einmal um 90 oder 180 Grad umgelegt, während bei einer doppelten Stehfalz ein zweiter Faltvorgang für einen vollständig regendichten Abschluss folgt. Dieses Falzen geschieht manuell mit Falzeisen und Spezialzangen bei komplexen Anschlüssen oder maschinell mit einer elektrischen Falzmaschine bei langen, geraden Strecken. Die Maschine rollt über die Naht und presst die Metallschichten mit konstanter Kraft zusammen. Das Ergebnis ist eine dichte Verbindung, die thermische Ausdehnung durch das Spiel innerhalb der Clips und der Faltkonstruktion zulässt.
Varianten der Falttechnik und Neigungswinkel
Einfache und doppelte Stehfalz
Der Neigungswinkel eines Daches bestimmt die erforderliche Falztechnik. Eine doppelte Stehfalz ist der Standard für flache Dächer mit einer Neigung ab 7 Grad, und in bestimmten Fällen sogar ab 3 Grad, sofern zusätzliches Dichtungsband verwendet wird. Dabei wird die Naht zweimal um 180 Grad umgelegt. Wasser hat keine Chance. Bei steileren Dächern, in der Regel über 25 Grad, genügt die einfache Stehfalz. Diese Variante, bei der die Oberfalz nur um 90 Grad über die Unterfalz gebogen wird, wird auch Winkelfalz genannt. Architekten wählen sie oft bei Fassaden. Die Schattenwirkung ist markanter. Sie wirkt robuster als die doppelte Variante.
Liegende und Querfalze
Nicht jede Verbindung steht senkrecht zur Fläche. Liegende Falze werden bei horizontalen Anschlüssen oder wenn ein nahezu flacher Übergang gewünscht ist, eingesetzt, etwa bei Fassadenbekleidung, bei der die Bahnen in Längsrichtung gekoppelt werden. Die Naht liegt flach. Der visuelle Effekt ist subtil. Bei extrem langen Dachflächen, bei denen die maximale Länge einer Metallbahn überschritten wird, ist eine Querfalz oder ein Stufenfalz erforderlich, um die thermische Ausdehnung in der Längsachse aufzunehmen. Dies verhindert, dass sich das Metall wölbt oder Clips aus dem Untergrund reißen.
Abgrenzung zu verwandten Systemen
Falzen wird oft mit der Pfeilkonstruktion verwechselt. Der Unterschied ist grundlegend. Ein Pfeildach verwendet hölzerne Pfeilatten, die zwischen den Bahnen montiert und anschließend mit einer losen Pfeilkappe abgedeckt werden. Falzen ist rein Metall auf Metall. Kein Holzkern. Schlanker in der Form. Darüber hinaus gibt es die zunehmende Verbreitung der Klickfalz. Dies ist ein industriell vorgefertigtes System, bei dem die Bahnen ohne Falzmaschine ineinandergreifen. Es funktioniert schneller. Die Kosten sind niedriger. Jedoch wird die technisch überlegene Wasserdichtheit einer manuell oder maschinell gerollten doppelten Falz von Klicksystemen selten erreicht, insbesondere nicht bei komplexen Detailausführungen rund um Dachgauben oder Schornsteine.
Praxissituationen und visuelle Merkmale
Ein modernes Wohnhaus mit einem flach geneigten Dach von acht Grad. Hier sieht man die doppelte Stehfalz in ihrer funktionalsten Form. Die Bahnen aus patiniertem Zink verlaufen ununterbrochen vom First bis zur Traufe. Straffe, aufstehende Rippen, die die Entwässerung lenken. Wasser bekommt durch die doppelte Falz einfach keine Chance, zwischen die Nähte zu kriechen. Kein Kitt, kein Kleber. Nur Metall auf Metall.
Vertikale Fassadenbekleidung bei einem Museum. Anthrazitfarbener Stahl. Der Architekt hat sich hier bewusst für eine Winkelfalz entschieden. Warum? Wegen des Schattens. Bei seitlichem Streiflicht entsteht ein kraftvolles Linienbild, das die Höhe des Gebäudes betont. Die Rippen sind ausgeprägter als bei einer doppelten Falz. Keine sichtbaren Schrauben, die das ästhetische Bild stören. Ein minimalistischer Panzer.
Rund um eine komplexe Dachgaube wird es spezialisiert. Der Anschluss zwischen der Dachfläche und den Seitenwangen erfordert Präzision. Der Fachmann verwendet hier eine Falzzange. Keine Maschine kommt zum Einsatz. Manuell wird der Übergang gefalzt. Das Metall folgt der Form der Konstruktion genau. Ein technisches Detail, bei dem die Wasserdichtheit vollständig von der richtigen Faltfolge und Überlappung abhängt. Handwerkskunst in den kleinsten Winkeln.
Rahmenbedingungen für Wasserdichtheit und Windlast
Materialnormen und Brandschutz
Historische Entwicklung der Falzverbindung
Die Technik des Falzens hat ihren Ursprung in der handwerklichen Kupfer- und Bleibearbeitung des späten Mittelalters. Löten in großer Höhe war wegen Brandgefahr und der begrenzten Dehnbarkeit steifer Verbindungen riskant. Dachdecker suchten eine Lösung. Die Lösung lag im Falzen. Metall auf Metall. Durch das mechanische Ineinandergreifen von Blechen entstand eine Naht, die atmen konnte, ohne zu lecken. Diese frühen Formen des Falzens wurden ausschließlich bei monumentalen Gebäuden und Kirchen eingesetzt. Es war ein kostbares und zeitaufwändiges Handwerk.
Mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert änderte sich das Spielfeld radikal. Das Aufkommen von gewalztem Zinkblech machte Metall für die bürgerliche Architektur zugänglich. Bleche wurden standardisiert. In dieser Zeit entwickelte sich die Technik von groben, manuellen Falzen zu verfeinerten Profilierungen mit Hilfe der ersten manuellen Falzeisen. Der eigentliche Schub folgte jedoch im 20. Jahrhundert. Die Einführung des Schiebeclips war ein technischer Wendepunkt; zuvor wurden Bahnen oft zu starr befestigt, was zu Materialermüdung durch thermische Spannungen führte.
Ab den 1960er und 1970er Jahren hielt die Mechanisierung Einzug. Profiliermaschinen konnten Bahnen vor Ort über die gesamte Dachlänge formen. Keine Quernähte mehr. Die elektrische Falzmaschine ersetzte die schwere Handarbeit des Zuschlagens der Nähte. Heute hat sich die Falzverbindung von einer reinen Notwendigkeit für die Wasserdichtheit zu einem ästhetischen Instrument in der modernen Architektur entwickelt, wobei die historischen Prinzipien der doppelten Falz noch immer die Grundlage für die kritischsten Konstruktionen bilden.