Beschreibung
Ausführung der Verbindung
Die Fixierung von Bewehrungsstäben oder Sackverschlüssen beginnt mit dem Anlegen eines metalldenen Bindedrahts, der mit zwei Ösen versehen ist. Dieser Draht wird manuell um das zu verbindende Objekt geschlungen. Der Haken des Drahtbinders greift anschließend in beide Schlaufen gleichzeitig ein. Durch kräftiges Zurückziehen des Handgriffs setzt die innere spiralförmige Welle diese Bewegung in eine blitzschnelle Rotation des Kopfes um. Der Draht dreht sich ineinander. Dieser Vorgang verdrillt das Metall zu einem straffen, unverrückbaren Knoten.
Manchmal genügt ein einziger Zug. Bei dickerem Material wiederholt der Anwender die Zugbewegung kurzzeitig, um die gewünschte Spannung zu erreichen; die ausgeübte Zugkraft ist dabei direkt ausschlaggebend für die endgültige Festigkeit der Verbindung. Sobald der Widerstand maximal ist und der Draht straff am Material anliegt, wird der Haken aus der geflochtenen Schlaufe gezogen. Der Handgriff federt durch einen innenliegenden Mechanismus oft direkt in die Ausgangsposition zurück. Bereit für den nächsten Knotenpunkt. Keine überflüssigen Handgelenkbewegungen. Nur lineare Kraft, die sich in kinetische Rotationsenergie umwandelt.
Arten und mechanische Unterschiede
Der manuelle Spiralbinder ist der Standard auf der Baustelle. Kompakt. Zuverlässig. Die gängigste Variante ist der Standard-Drillbinder mit einer Länge von etwa 300 Millimetern, für schwerere Flechtarbeiten oder dickere Bindedrähte werden jedoch verlängerte Modelle eingesetzt, die mehr Drehmoment erzeugen. Daneben gibt es die automatische Akku-Flechtmaschine, ein Gerät, das die manuelle Zugbewegung vollständig durch einen Elektromotor und eine interne Drahtspule ersetzt, was besonders bei großflächigen Bodenflechtprojekten enorme Geschwindigkeitsvorteile bringt, zugleich aber eine erhebliche Investition erfordert und anfälliger für Verschmutzung durch Betonreste ist.
Obwohl die Begriffe Drillbinder und Schnellbinder oft synonym verwendet werden, neigt der Begriff Schnellbinder häufiger zu den leichteren Varianten, die in der Logistik oder Landwirtschaft zum Verschließen von Säcken verwendet werden. Im Bewehrungsbau spricht man fast ausschließlich vom Drahtbinder oder Flechteisen.
Abgrenzung zu verwandtem Werkzeug
Verwechslungen mit der Flechtzange kommen bei Außenstehenden häufig vor. Der Unterschied ist jedoch grundlegend. Die Zange erfordert eine aktive, drehende Handgelenkbewegung des Fachmanns und wird mit Draht von einer Rolle verwendet, der während des Vorgangs manuell durchtrennt wird. Ein Drahtbinder kann nicht schneiden. Er arbeitet ausschließlich in Kombination mit vorgefertigten Bindedrähten, die bereits auf Länge zugeschnitten und mit zwei vorgebogenen Schlaufen versehen sind. Kein Schneiden. Nur Ziehen. Der Drahtbinder ist dadurch spezialisierter und schneller für repetitive Verbindungen, während die Flechtzange für gelegentliche Fixierungen universeller einsetzbar bleibt.
Praxisfälle und Szenarien
Eine ausgedehnte Betonbodenplatte eines Distributionszentrums, auf der Hunderte Quadratmeter Bewehrungsnetze während des Betonierens an ihrem Platz bleiben müssen. Die Flechter laufen gebückt über die Matten. In ihrer Hand der Drahtbinder. Bei jedem Kreuzungspunkt der Stahlstäbe wird ein vorgefertigter Bindedraht daruntergeführt. Eine schnelle, kräftige Zugbewegung am Handgriff und der Haken dreht die Schlaufen in Sekundenbruchteilen bombenfest. Kein Drehen mit dem Handgelenk, nur das mechanische Geräusch der Spirale, die ihre Arbeit verrichtet.
Man stelle sich die logistische Verarbeitung schwerer Sandsäcke bei der Deichsicherung vor. Geschwindigkeit ist hier entscheidend. Ein Mitarbeiter legt einen Bindedraht um den Hals des Jutesacks, steckt den Haken des Schnellbinders durch die Ösen und zieht. Der Sack ist sofort versiegelt. Kein Herumfummeln mit Knoten oder Seil, das bei nassen Bedingungen durchrutscht.
Auch beim Aufstellen eines stabilen Maschendrahtzauns rund um ein Baugelände erweist sich der Drahtbinder als nützlich. Das Spannen des Drahts zwischen den Pfosten und dem Geflecht verlangt eine konstante, straffe Fixierung. Der Monteur zieht den Drillbinder an, der Draht verdrillt sich genau straff genug gegen den Pfosten und er geht direkt zum nächsten Meter über. Effizienz pur. Das Werkzeug zeichnet sich bei dieser Art repetitiver Arbeit aus, bei der sich jede Sekunde Zeitgewinn über den ganzen Tag zu Hunderten zusätzlichen Verbindungen summiert.
Arbeitsbedingungen und körperliche Belastung
Keine überflüssige Belastung des Handgelenks. Das Arbeitsschutzgesetz und die arbeitsmedizinischen Vorgaben setzen klare Rahmen für repetitive Bewegungen auf der Baustelle. Das Arbeiten mit einer traditionellen Flechtzange verursacht oft eine hohe statische Belastung durch die konstante, kräftige Rotation aus dem Handgelenk, eine Bewegung, die beim Drahtbinder nahezu vollständig eliminiert ist. Die lineare Zugaktion des Arms ist ergonomisch überlegen. Arbeitgeber sind verpflichtet, die körperliche Belastung auf ein Minimum zu beschränken. Dies macht den Einsatz eines Drahtbinders oder Drillbinders nicht nur zu einer Entscheidung für Geschwindigkeit, sondern auch zu einer notwendigen präventiven Maßnahme gegen RSI-bedingte Beschwerden bei Flechtern und Monteuren, die täglich Hunderte Verbindungen herstellen. Ergonomie direkt in die Praxis umgesetzt.
Normung bei der Ausführung von Betonbauwerken
Stabilität ist beim Betonieren oberstes Gebot. DIN EN 13670 beschreibt die Ausführung von Betonbauwerken und stellt strenge Anforderungen an die Fixierung des Bewehrungskorbs. Die Bewehrung darf unter keinen Umständen durch den Druck des flüssigen Betons oder die intensiven Vibrationen eines Innenrüttlers verrutschen. Der Drahtbinder sichert diese Stabilität durch eine schnelle, reproduzierbare Zugspannung auf den Bindedraht. Obwohl die Norm die Wahl des Werkzeugs offenlässt, muss die Verbindung stark genug sein, um die konstruktive Integrität und die vorgeschriebene Betondeckung zu gewährleisten. Beim Übergang zu elektrischen Akku-Flechtmaschinen kommt der Fachmann zudem mit der Maschinenrichtlinie in Berührung. CE-Kennzeichnung und regelmäßige elektrische Prüfungen werden dann für die Sicherheit am Arbeitsplatz relevant. Ein unverrückbares Ergebnis ist das Ziel.