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BAUSTOFFE UND ROHSTOFFE

CLT (Cross Laminated Timber)

CLT (Cross Laminated Timber) ist ein tragendes Massivholzplatte aus mindestens drei kreuzweise verleimten Lagen Holzlamellen für hohe Steifigkeit und Tragfähigkeit.

Stand: 05.11.2026

DEFINITION

CLT ist eine tragende Massivholzplatte, die aus mindestens drei kreuzweise verleimten Lagen Holzlamellen besteht, wodurch eine hohe Steifigkeit und Tragfähigkeit in mehreren Richtungen entsteht.

Beschreibung

CLT fungiert als das hölzerne Gegenstück zu vorgefertigtem Beton. Durch das kreuzweise Verleimen getrockneter Holzlamellen unter hohem Druck entsteht ein Bauelement, das die natürliche Bewegung des Holzes nahezu ausschaltet. Die kreuzweise Struktur blockiert Schwinden und Quellen. Daraus resultiert eine extrem formstabile und steife Platte. Im Werk wird jedes Element mit CNC-gesteuerten Maschinen millimetergenau zugeschnitten. Alle Aussparungen für Fenster, Türen und technische Installationen sind bei Ankunft auf der Baustelle bereits vorhanden. Das verschiebt den Bauprozess von handwerklicher Konstruktion zu schneller Montage. Es wird trocken gebaut. Es gibt keine Aushärtezeiten wie bei Beton, wodurch der Ausbau nahezu unmittelbar nach der Montage des Rohbaus beginnen kann.

Ausführung und Prozessablauf

Die Realisierung einer CLT-Konstruktion beginnt mit der digitalen Umsetzung des Entwurfs in ein detailliertes BIM-Modell. Diese Daten steuern die CNC-Fräsmaschinen im Werk. Die Lamellen aus Nadelholz werden zunächst nach Qualität sortiert und durch Keilzinkung auf die gewünschte Länge verbunden. Das Zusammenfügen erfolgt durch das rechtwinklige Stapeln dieser Lamellen, wobei zwischen jeder Lage ein Leimfilm aufgebracht wird. Eine hydraulische oder Vakuumpresse übt anschließend Druck über die gesamte Fläche aus, um die Lagen zu einer massiven Platte zu verschmelzen.

CNC-Bearbeitungszentren sägen die Platten anschließend auf Maß und fräsen alle Aussparungen für Fenster, Türen und Installationen aus. Die Präzision ist dabei entscheidend. Auf der Baustelle dreht sich alles um Logistikplanung und Montage. Die Platten kommen nummeriert an und werden direkt vom LKW durch einen Kran an ihre Position gehoben. Mechanische Befestigungsmittel bilden die Verbindung. Lange Vollgewindeschrauben ziehen die Platten gegeneinander. Stahlwinkelanker fixieren die Wände am Fundament oder an der darunterliegenden Decke. Es ist ein trockener Montageprozess. Wasser kommt dabei nicht zum Einsatz. Während der Kran das nächste Element positioniert, versiegeln Monteure die Fugen mit luftdichten Bändern oder Kompriband, um die thermische Hülle zu schließen. Die Konstruktion ist direkt nach der Montage voll belastbar. Keine Aushärtezeiten. Der Ausbau kann nahezu zeitgleich mit dem Rohbau in den unteren Geschossen beginnen.

Variationen im Aufbau und in den Lagen

Die Dicke einer CLT-Platte wird durch die Anzahl der Lamellenlagen bestimmt. Der Standardaufbau ist immer ungerade. Drei, fünf oder sieben Lagen bilden den Kern der meisten Konstruktionen. Für leichte Trennwände genügt oft eine dreilagige Platte. Sobald die Spannweiten größer werden, etwa bei Deckenfeldern oder stark belasteten tragenden Wänden, wechselt der Tragwerksplaner zu fünf- oder siebenlagigen Varianten. Manchmal werden doppelte Außenlagen eingesetzt. Dies geschieht, um zusätzliche Steifigkeit in der Hauptrichtung zu erzeugen. Die Lamellen selbst variieren meist in der Dicke zwischen 20 und 40 Millimetern. Die Gesamtplattendicke kann dadurch bis zu 300 Millimeter oder mehr betragen.

Die Holzartenwahl beeinflusst die Leistung. Fichte ist der Standard. Sie ist leicht und für die meisten Anwendungen konstruktiv stark genug. Für Projekte mit höheren ästhetischen Anforderungen oder spezifischer Exposition wird manchmal Kiefernholz oder Lärche gewählt. Es gibt auch hybride Formen, bei denen CLT mit Beton kombiniert wird (Holz-Beton-Verbund) für einen höheren Schallschutz und Brandschutz bei Decken.

Visuelle Qualitätsklassen

Nicht jede CLT-Platte muss schön sein. Die Baubranche unterscheidet scharf zwischen Sichtqualität und industrieller Qualität. Dies bestimmt den Preis und die Ausführung des Innenraums.

  • Sichtqualität: Die äußere Lage besteht aus ausgewähltem Holz mit wenigen Ästen und nahezu keinen Hirnrissen. Die Lamellen sind oft an den Seitenflächen verleimt, um Spalten zu vermeiden. Ideal für Wände und Decken, die sichtbar bleiben.
  • Industrielle Qualität: Hier geht es rein um die Konstruktion. Optische Mängel wie Verfärbungen oder größere Äste sind zulässig. Diese Platten werden meist hinter Gipskartonplatten oder anderen Verkleidungen verdeckt.

Abgrenzung zu verwandten Techniken

Verwechseln Sie CLT nicht mit Glulam (geleimtem Holz). Glulam wird für Balken und Stützen verwendet. Die Fasern verlaufen dort parallel zueinander für maximale Zugkraft in eine Richtung. CLT ist eine Scheibe. Die kreuzweise Verleimung sorgt für Stabilität in zwei Richtungen. Dann gibt es noch LVL (Laminated Veneer Lumber). LVL besteht aus hauchdünnen Furnierlagen statt aus Brettern. Es ist stärker und schlanker, aber es fehlt ihm oft die massive Ausstrahlung von CLT.

Rippenplatten bilden eine spezifische Variante. Dabei wird im Werk ein Glulam-Balken unter eine CLT-Platte geleimt. Man erhält dann eine Art T-Träger-Effekt. Extrem steif. Sehr geeignet für Dächer oder Decken, bei denen eine enorme freie Spannweite ohne Zwischenstützen realisiert werden soll.

CLT in der Praxis

Denken Sie an die Neuentwicklung eines Stadtgebiets. Ein Bürogebäude aus den 80er Jahren erhält zwei zusätzliche Geschosse. Eine sogenannte Aufstockung. Beton ist hier keine Option; das Fundament hält dieses Gewicht schlicht nicht aus. Der Bauunternehmer entscheidet sich für CLT. Die Platten kommen 'just-in-time' auf der Baustelle an und werden direkt vom Auflieger nach oben gehoben. Innerhalb von drei Tagen ist die gesamte Holzkonstruktion wind- und wasserdicht. Keine Trocknungszeit. Keine Belästigung durch schwere Betonmischer in den engen Straßen.

In einer modernen Grundschule findet man CLT oft als fertig ausgebautes Interieur. Der Architekt wählt hier Platten in Sichtqualität. Die Wände der Klassenräume sind gleichzeitig die tragende Struktur. Das Holz bleibt unverkleidet. Keine Gipskartonplatten. Kein Putz. Die warme Ausstrahlung der Fichte bestimmt die Atmosphäre. In den Platten sind die Aussparungen für Lüftungskanäle und Lichtschalter bereits im Werk millimetergenau ausgefräst. Alles passt direkt.

Beim Bau einer Luxusvilla mit großen Spannweiten wird eine Rippenplatte eingesetzt. Eine CLT-Platte mit darunter geleimten Fichtenbalken. Dies sorgt für eine schlanke Decke, die einen acht Meter breiten Raum ohne Zwischenstützen überbrückt. Die Unterseite der Decke fungiert direkt als ästhetische Decke. Das Ergebnis ist ein offener, stützenfreier Raum, der mit traditionellem Holzbau nicht realisierbar wäre.

SituationCLT-AnwendungBewertung in der Praxis
Innerstädtischer HochbauVorgefertigte RohbauelementeMinimale Baustellenlogistik und schnelle Montage.
Nachhaltige SchulenWände in SichtqualitätGesundes Innenraumklima und Einsparung bei den Ausbaukosten.
Transformation / AufstockungLeichtgewichtiger DachaufbauGeringere Belastung des bestehenden Fundaments.

Normung und Sicherheitsrahmen

Konstruktive Sicherheit und Eurocodes

Tragwerksplaner greifen für die Berechnung der Tragfähigkeit auf den Eurocode 5 (DIN EN 1995) zurück. Das ist die Grundlage. Obwohl diese Norm ursprünglich für traditionelles Holz und geleimte Träger geschrieben wurde, regelt die spezifische Produktnorm DIN EN 16351 die technischen Anforderungen an die Herstellung und die Leistungsmerkmale von Brettsperrholz. Festigkeitsklassen werden hierin streng definiert. Eine Platte muss schließlich exakt den mechanischen Eigenschaften entsprechen, die im Rechenmodell festgelegt wurden. Die Rechenregeln für die Schubspannungen in den Querlagen sind dabei ein kritischer Punkt in der Bemessung.

Brandschutz nach den Landesbauordnungen

Holz brennt, aber CLT brennt kontrolliert. Die Abbrandgeschwindigkeit ist hier der Schlüssel. Die Musterbauordnung (MBO) und die Landesbauordnungen (LBO) stellen harte Anforderungen an den Widerstand gegen Brandübertragung und Brandüberschlag. Massivholzplatten bilden bei Brand eine isolierende Kohleschicht an der Außenseite. Diese Schicht verzögert den Temperaturanstieg im Kern der Platte erheblich. Berechnungen nach DIN EN 1995-1-2 zeigen, ob die konstruktive Integrität während eines Brandes über die geforderten 30, 60 oder 120 Minuten erhalten bleibt. Oft ist eine Überdimensionierung der Dicke eine effektivere Strategie als das Beplanken mit brandschutztechnischen Gipskartonplatten.

Umweltleistung und Zertifizierung

Der Ökobilanzwert von Gebäuden ist heute ein zwingender Faktor bei der Baugenehmigung. CLT schneidet hier günstig ab. Das Material speichert schließlich CO2 über die gesamte Lebensdauer des Bauwerks. Für die Herkunft des Holzes fordern Behörden und Gütesiegel meist FSC- oder PEFC-Zertifikate, um nachzuweisen, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Die Landesbauordnungen erzwingen zudem eine sorgfältige Dokumentation aller eingesetzten Leimverbindungen und mechanischen Kopplungen. Man muss nachweisen können, was man gebaut hat. Der Staat steuert über Regelungen immer stärker auf biobasiertes Bauen hin, wodurch der günstige Schattenpreis von Holz in den Ökobilanzen einen taktischen Vorteil bei der Entwicklung von Wohnungsbauprojekten bietet.

Entstehung und industrieller Aufstieg

Die Wurzeln von CLT liegen in Mitteleuropa. Österreich, Anfang der neunziger Jahre. Während der traditionelle Holzbau noch auf Balken und Stützen setzte, suchten Forscher an der Technischen Universität Graz nach einer Möglichkeit, Holz als massive Scheibe einzusetzen. Gerhard Schickhofer leitete diese Pionierarbeit. Die Kernfrage war einfach: Wie neutralisiert man die natürliche Bewegung des Holzes? Die Antwort erwies sich als das rechtwinklige Verleimen von Lagen, ein Prinzip, das 1996 in den ersten theoretischen Grundlagen für Brettsperrholz festgelegt wurde.

Die Technik blieb über ein Jahrzehnt eine Nische. Die frühen Produktionsprozesse waren langsam und der Markt war noch vollständig auf Beton und Stahl ausgerichtet. Erst um 2005 beschleunigte sich die Entwicklung durch den Aufstieg fortschrittlicher CNC-Bearbeitungszentren. Diese Maschinen ermöglichten es, die enormen Platten mit mechanischer Präzision zu bearbeiten. Dies verwandelte CLT von einem einfachen Bauprodukt in ein hochwertiges Prefab-System. Gleichzeitig sorgte der wachsende Fokus auf den CO2-Fußabdruck der Baubranche für eine Aufwertung von Holz als Konstruktionsmaterial.

Seit 2010 ist die Adoption weltweit gestiegen. Die Regelungen folgten der Praxis. In Nordeuropa und Nordamerika wurden Bauordnungen angepasst, um massiven Holzbau im Hochhausbau zu ermöglichen. Die Entwicklung verlagerte sich vom kleinteiligen Wohnungsbau zu komplexen Gewerbeprojekten und Wohntürmen. Was als akademisches Experiment in den Alpen begann, ist heute eine standardisierte industrielle Baumethodik, die die Hierarchie traditioneller Materialien herausfordert.

Häufige Fragen

Was ist CLT (Cross Laminated Timber)?
CLT ist eine tragende Massivholzplatte, die aus mindestens drei kreuzweise verleimten Lagen Holzlamellen besteht. Dies sorgt für eine hohe Steifigkeit und Tragfähigkeit in mehreren Richtungen.
Warum ist CLT so formstabil und steif?
Die kreuzweise Verleimung getrockneter Holzlamellen unter hohem Druck schaltet die natürliche Bewegung des Holzes wie Schwinden und Quellen nahezu aus. Daraus resultiert eine extrem formstabile und steife Platte.
Welche Vorbereitungen werden im Werk für CLT-Platten getroffen?
Im Werk wird jedes CLT-Element mit CNC-gesteuerten Maschinen millimetergenau zugeschnitten. Alle Aussparungen für Fenster, Türen und technische Installationen werden hier bereits angebracht.