Beschreibung
Ausführung und Methodik
Sanierungsarbeiten beginnen stets mit einer genauen Klassifizierung auf Basis eines vorherigen Inventarberichts. Die Ausführung hängt direkt von der Risikoklasse ab. Bei komplexen Innensanierungen bildet der Aufbau eines Containments den Kern der Methode. Dies ist ein hermetisch abgeschlossener Arbeitsbereich. Unterdruckmaschinen laufen kontinuierlich. Diese mit HEPA-Filtration ausgestatteten Geräte halten die Zone auf einem niedrigeren Luftdruck als die umgebenden Räume, wodurch der Luftstrom ausschließlich nach innen gerichtet bleibt und die Ausbreitung mikroskopischer Fasern wirksam verhindert wird.
Die Demontage selbst zielt darauf ab, die Quelle intakt zu halten. Befeuchtung ist hierbei wesentlich. Manchmal werden spezielle Fixiermittel oder Gele eingesetzt, um die Emission freier Fasern beim Lösen von Befestigungspunkten zu unterdrücken. Manuelle Tätigkeiten werden gegenüber mechanischen Bearbeitungen bevorzugt. Nach der physischen Entfernung folgt eine Feinreinigung aller Oberflächen. Das Verfahren endet mit einer unabhängigen Endkontrolle. Dabei wird der Standort visuell inspiziert und die Luftqualität an den gesetzlichen Grenzwerten gemessen. Erst nach dieser Freigabe wird das Containment abgebaut. Die Entsorgung erfolgt in doppelwandigen, luftdichten Verpackungen zu einem spezialisierten Depot.
Ursachen der Faserfreisetzung und die Folgen
Mineralogische Klassifizierung
Fest gebunden versus nicht fest gebunden
In der Sanierungspraxis ist die Art und Weise, wie die Fasern im Material verankert sind, entscheidend für das Risikoprofil. Man unterscheidet grundlegend zwischen fest gebundenem und nicht fest gebundenem Asbest. Bei fest gebundenen Anwendungen sind die Fasern fest in einem Bindemittel wie Zement, Klebstoff oder Kunststoff verankert. Die Fasern werden im Prinzip nicht freigesetzt, es sei denn, das Material wird mechanisch bearbeitet oder ist stark verwittert.
- Asbestzement: Die bekannten Wellplatten, Abwasserrohre und Fassadenplatten.
- Colovinylfliesen: Harte Bodenfliesen, bei denen der Asbest in der Vinylmatrix eingeschlossen ist.
- Verglasungskitt: Ältere Kittschichten, in denen Asbest als Bewehrung oder Füllstoff diente.
Nicht fest gebundener Asbest ist das gefährliche Gegenstück. Die Fasern sind kaum an einen Träger gebunden. Die Faserkonzentration ist oft sehr hoch. Eine leichte Berührung oder ein Windhauch genügt, um eine enorme Emission zu verursachen. Dieses Material ist oft weich und eindrückbar. Bekannte Beispiele sind Asbestpapier unter Bodenbelägen, Asbestschnur zum Abdichten von Öfen und der berüchtigte SpritzAsbest, der als Brandschutzschicht auf Stahlkonstruktionen gespritzt wurde.
Erscheinungsformen und Erkennung
Praxissituationen und Erkennung
Ein Heimwerker zieht einen alten Vinylbelag aus der Küche eines Hauses aus den 1970er Jahren. Unter der glänzenden Deckschicht erscheint eine hellgraue, pappartige Filzschicht. Dies ist das berüchtigte Asbestbacking. Ein Ruck und die Fasern schweben unsichtbar durch den Raum. Oder nehmen Sie die Fensterbank. Glänzend schwarz, sieht aus wie Marmor. Bis man eine Ecke abbricht. Der Kern ist grau und faserig; es stellt sich als Kunstmarmor aus Asbestzement heraus, damals äußerst beliebt wegen der luxuriösen Ausstrahlung und des niedrigen Preises.
Rund um alte Heizkessel sieht man oft weiße Schnur bei der Durchführung der Rauchgasabführung. Sie ist weich. Flaumig. Diese Asbestschnur dichtete Ritzen ab. Bei der geringsten Bewegung lösen sich die Fasern. Im Garten steht eine alte Scheune mit den bekannten Wellplatten. Die Schraubenköpfe sind verrostet, die Oberfläche ist rau und mit Moos bewachsen. An den abgebrochenen Ecken sieht man die weißen Faserbündel in der grauen Zementmatrix. Keine Panik, aber sofortiges Einstellen der Arbeiten ist hier das einzig richtige Protokoll.
Im Stromkasten findet man manchmal eine graue Platte hinter dem Stromzähler. Brandschutzplatte. Sie wirkt wie dicker Karton oder Weichfaserplatte, aber sie brennt nicht. Sie ist spröde. Eine Schraube hineindrehen für einen neuen Stromkreis bedeutet sofortige Faserfreisetzung in einem kleinen, unbelüfteten Raum.
Das gesetzliche Verbot und die Sorgfaltspflicht
Seit dem 1. Juli 1993 gilt in den Niederlanden ein nahezu vollständiges Verbot der Bearbeitung, Verarbeitung oder Lagerung von Asbest. Dieses Verbot ist im Produktenbesluit asbest verankert. Für Eigentümer von Gebäuden, in denen dieses Material noch vorhanden ist, ergibt sich aus dem Besluit bouwwerken leefomgeving (BBL) eine allgemeine Sorgfaltspflicht. Ruhender Asbest ist zulässig. Sobald jedoch eine gefährliche Situation durch Verwitterung oder Beschädigung entsteht, kann die Gemeinde ordnungsrechtlich eingreifen. Der Eigentümer muss dann Maßnahmen ergreifen, um eine Exposition Dritter zu verhindern. Das Gesetz unterscheidet hierbei nicht zwischen privaten Wohnungen oder Gewerbeobjekten; die Sicherheit der Lebensumgebung steht im Mittelpunkt.
Pflichten bei Renovierung und Abbruch
Wer ein Bauwerk von vor 1994 abbrechen oder renovieren will, kommt unweigerlich mit dem Asbestverwijderingsbesluit 2005 in Berührung. Eine vorherige Asbestinventarisierung ist in fast allen Fällen verpflichtend. Dieser Bericht muss von einem zertifizierten Inventarisierungsunternehmen erstellt werden. Ohne dieses Dokument darf eine Gemeinde die Abbruchmeldung nicht bearbeiten. Alle Daten über die gefundenen Quellen, die Risikoklasse und die vorgeschlagene Entfernungsmethode werden im Landelijke Asbestvolgsysteem (LAVS) registriert. Dieses System fungiert als digitale Kettenüberwachung. Es verfolgt den Asbeststrom von der Quelle bis zum endgültigen Deponiestandort. Das Fälschen von Dokumenten ist eine Wirtschaftsstraftat. Die Bußgelder sind empfindlich.
Arbeitsbedingungen und Zertifizierung
Für den professionellen Sektor ist das Arbeidsomstandighedenbesluit maßgeblich. Arbeitnehmer müssen vor den Risiken von Asbestfasern geschützt werden. Nur Unternehmen mit einem spezifischen Zertifikat für Asbestentfernung dürfen Arbeiten in Risikoklasse 2 oder 2A ausführen. Das Personal muss über personenbezogene Zertifikate wie Deskundig Asbestverwijderaar (DAV) oder Deskundig Toezichthouder Asbest (DTA) verfügen. Die Inspectie SZW kontrolliert scharf die Einhaltung dieser Regeln. Eine Sanierung ist ohne eine unabhängige Endmessung nach den geltenden Normen nicht abgeschlossen. Bei Innensanierungen betrifft dies meist eine Luftmessung und eine visuelle Inspektion, wobei ein akkreditiertes Labor den Standort offiziell für die weitere Nutzung freigibt.
Der industrielle Aufstieg und der Wiederaufbau
Die großtechnische Nutzung von Asbestmineralen begann Ende des 19. Jahrhunderts. Kanada und Russland dominierten mit riesigen Tagebauen. Eine industrielle Erfolgsgeschichte. In den Niederlanden erreichte die Anwendung während der Wiederaufbauperiode zwischen 1945 und 1980 einen absoluten Höhepunkt. Die Wohnungsnot war groß. Materialien mussten billig, brandsicher und unzerstörbar sein. Architekten und Konstrukteure umarmten das Mineral als technische Innovation, die überall hineinpasste.
Fabriken wie Eternit in Goor produzierten in massivem Umfang. Wellplatten für den Agrarsektor. Abwasserrohre für die wachsenden Städte. Die Entwicklung der Materialverwendung verschob sich von groben industriellen Anwendungen zu feinmaschiger Verarbeitung in Haushaltsprodukten. Es steckte im Kitt der neuen Fensterrahmen und in der Isolierung des Heizkessels. Ein technisches Wundermittel ohne sichtbare Nachteile, so schien es damals.
Die Wende in Regelgebung und Erkenntnis
Der Übergang vom Baustoff zum Umweltproblem verlief langsam. Obwohl medizinische Warnungen bereits in den 1930er Jahren aufkamen, blieb das wirtschaftliche Versprechen von Asbest dominant. Erst in den 1970er Jahren verschob sich der Fokus von den bautechnischen Vorteilen auf die Volksgesundheit. Die ersten Einschränkungen wurden sichtbar. 1977 kam es zu einem Verbot der Verarbeitung von blauem Asbest (Crocidolit) und des berüchtigten SpritzAsbests. Ein wichtiger Schritt. Aber noch lange nicht das Ende.
Während der 1980er Jahre entwickelte die Industrie Alternativen. Faserzementplatten wurden mit Kunststofffasern anstelle von Mineralien verstärkt. Die Regelgebung wurde Schritt für Schritt verschärft, während der politische Druck zunahm. Die endgültige Wende folgte am 1. Juli 1993. Ein vollständiges Verbot des Verkaufs, der Anwendung und der Wiederverwendung von Asbest in den Niederlanden wurde Tatsache. Damit verlagerte sich der Bausektor von einer Phase der Installation zu einer Phase der großflächigen Bewirtschaftung und Sanierung. Ein Erbe im Boden und in den Wänden, das den Sektor bis zum heutigen Tag beschäftigt.