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ARCHITEKTUR, GESCHICHTE UND KULTUR

Arkade

Eine Arkade ist eine Reihe aufeinanderfolgender Bögen auf Säulen oder Pfeilern, die zusammen einen Bogengang bilden.

Stand: 04.11.2026

DEFINITION

Eine Reihe aufeinanderfolgender Bögen, die auf Säulen oder Pfeilern ruhen und zusammen einen Bogengang bilden.

Beschreibung

Die Arkade ist ein architektonisches Arbeitstier. Sie verbindet Räume und bewahrt dabei die strukturelle Integrität. In der Praxis findet man sie häufig als Übergangszone zwischen innen und außen, etwa an italienischen Piazzas oder im traditionellen Kreuzgang. Es geht um Rhythmus. Die vertikalen Lasten der darüberliegenden Wand oder des Daches werden über die Bögen auf die Pfeiler konzentriert. Dadurch entstehen große Öffnungen, ohne dass die Stabilität gefährdet wird. Ob es sich um einen schweren romanischen Rundbogen oder einen schlanken gotischen Spitzbogen handelt, die Funktion bleibt gleich: Raum schaffen. Es ist eine Konstruktion, die Offenheit mit Tragfähigkeit verbindet.

Konstruktive Ausführung

Die Errichtung einer Arkade beginnt mit der Gründung der Pfeiler. Diese müssen die enormen Punktlasten des gesamten Aufbaus tragen können. Beim Aufbau der Bögen dreht sich alles um die temporäre Unterstützung; man verwendet Lehrgerüste, um die spezifische Geometrie des Bogens während des Mauerwerksprozesses zu gewährleisten. Es ist eine Frage des Gleichgewichts. Der Fachmann zieht den Bogen an beiden Seiten simultan von den Kämpfersteinen aus hoch. Gleichmäßige Belastung verhindert, dass die hölzerne oder stählerne Schalung verrutscht. Erst mit der endgültigen Platzierung des Schlusssteins im Scheitel wandelt sich die Konstruktion in ein tragendes Ganzes. Die Kräfte werden dann erst wirksam über die Bögen zu den darunterliegenden Säulen geleitet.

In einer durchlaufenden Reihe neutralisieren die Bögen gegenseitig ihren seitlichen Druck. Horizontalschub. Dieses konstruktive Prinzip ermöglicht die Verwendung relativ schlanker Säulen, sofern die Reihe ununterbrochen bleibt. Die Stabilität des Bogengangs ruht auf diesem empfindlichen Gleichgewicht von Druck und Gegendruck. Nur an den Enden der Arkade ist zusätzliche Masse oder Verankerung erforderlich. Hier fehlt nämlich ein weiterer Bogen, um den horizontalen Druck aufzunehmen. In der Praxis werden dort häufig verstärkte Wandpfeiler oder stählerne Zugstangen eingesetzt, um die Integrität der gesamten Arkade zu gewährleisten.

Konstruktive und dekorative Erscheinungsformen

Nicht jede Arkade lässt Luft durch. In der Architektur unterscheiden wir scharf zwischen der funktionalen, offenen Variante und der rein dekorativen Blendarkade, bei der die Bögen gegen eine geschlossene Wand gesetzt sind, um einem Fassadenfläche Relief und Rhythmus zu verleihen, ohne dass ein Durchgang vorhanden ist. Es ist reines ästhetisches Spiel mit dem Schatten. Eine Blendarkade suggeriert Tiefe, wo keine ist. Daneben besteht die Zwerggalerie, eine spezifische Reihe kleiner Bögen, die häufig unter der Traufe romanischer Kirchen prangt.

Verwechslung mit der Kolonnade liegt nahe. Obwohl beide einem Gebäude Rhythmus verleihen, ruht bei einer Kolonnade ein gerades Gebälk auf den Säulen, während die Arkade per Definition aus Bögen besteht. Die Bogenform bestimmt die Variante: Die halbrunde Rundbogenarkade ist kennzeichnend für die romanische und Renaissancebaukunst, während die Gotik die Spitzbogenarkade bevorzugt. Diese letztere Variante erlaubt eine größere Spannweite und eine höhere Konstruktion durch die günstigere Kraftableitung.

Typologische Unterscheidungen in der Praxis

Lage und Kontext bestimmen die Benennung. Im Kirchenbau sprechen wir speziell von der Langhausarkade; dies ist die Bogenreihe, die das Mittelschiff von den Seitenschiffen trennt und die Grundlage für den Aufbau des Innenraums bildet. Höher in der Wand finden wir manchmal das Triforium, einen schmalen Gang hinter einer Arkade, der eine rein rhythmische Funktion hat. In der bürgerlichen Architektur wandelt sich die Arkade häufig zur Loggia oder zur Galerie. Eine Loggia ist jedoch immer in den Hauptbaukörper des Gebäudes einbezogen, während eine Arkade auch eine freistehende Verbindung zwischen zwei Gebäudeteilen bilden kann.

TypMerkmal
BlendarkadeGeschlossene Wandfläche mit Bogenrelief
ZwerggalerieNiedrige Arkade als Fassadenschmuck
LanghausarkadeTragende Trennung zwischen Mittelschiff und Seitenschiff
TriforiumFlache Arkade über den Scheidbögen

Die Wahl einer spezifischen Bogenform, wie des Hufeisenbogens in der maurischen Architektur, ist nicht nur ein Stilmerkmal. Sie beeinflusst direkt den Abstand zwischen den Säulen. Je steiler der Bogen, desto vertikaler der Druck. Dies bestimmt letztlich, ob die Arkade einen schweren, massiven Eindruck macht oder geradezu einen fragilen und transparenten Charakter erhält.

Praxissituationen und Anwendungen

Einer Arkade begegnet man in verschiedenen Maßstäben, von monumentaler Stadtarchitektur bis zum religiösen Erbe. Die Kraft der Form liegt in der Wiederholung.

  • Der städtische Bogengang: In Städten mit historischem Zentrum fungieren Arkaden häufig als überdachter Gehsteig. Die Ladenfunktion liegt zurückgesetzt hinter der Säulenreihe. Fußgänger gehen geschützt vor Regen oder greller Sonne, während die darüberliegenden Geschosse einfach über die volle Straßenbreite weiterlaufen.
  • Der Kreuzgang: Hier bildet die Arkade die physische Trennung zwischen der Stille des Innenhofs und dem Laufweg der Mönche. Die Bögen ruhen häufig auf schlanken, doppelten Säulchen. Das Gewicht des Daches wird dadurch elegant zur Gründung geleitet, ohne die visuelle Verbindung zum Garten zu unterbrechen.
  • Konstruktive Trennung in der Kirche: Blicken Sie in einer Kathedrale nach oben. Die Bogenreihe zwischen Mittelschiff und Seitenschiff ist eine klassische Langhausarkade. Ohne diese Bogenreihe wäre eine massive Wand erforderlich, um das Gewölbe zu tragen, was den Raum dunkel und beengt machen würde.

In der Praxis sieht man manchmal stählerne Zugstangen, die die Kämpfer der Bögen miteinander verbinden. Dies geschieht häufig bei Restaurierungen. Die Stangen nehmen den seitlichen Druck auf, den die Bögen auf die Säulen ausüben, insbesondere wenn die Außenwände durch Setzung oder Alter nicht mehr ausreichend Gegendruck bieten. Eine Arkade ist nämlich ein lebendiges Gleichgewicht der Kräfte.

Bei modernen Bürofassaden wird die Arkade manchmal mit Fertigbetonelementen ‚zitiert'. Die Bogenform ist dann durch die Verwendung von Bewehrungsstahl nicht mehr für die Spannweite erforderlich, sondern wird rein eingesetzt, um dem Sockel des Gebäudes einen erkennbaren Rhythmus und ein Gefühl von Grandeur zu verleihen.

Normung und rechtliche Rahmenbedingungen

Konstruktive Sicherheit und Regelwerk

Bei der Planung oder Restaurierung einer Arkade steht die konstruktive Sicherheit im Mittelpunkt. Die Musterbauordnung (MBO) und die Landesbauordnungen (LBO) stellen strenge Anforderungen an die Standsicherheit tragender Konstruktionen. Eine Arkade, häufig ein wesentlicher Teil der Haupttragkonstruktion, muss die grundlegenden Anforderungen an die mechanische Festigkeit erfüllen. Die Berechnungen hierfür werden in der Regel nach den Eurocodes durchgeführt, speziell nach DIN EN 1996 für Mauerwerkskonstruktionen. Dabei ist die Beherrschung des Horizontalschubs an den Endpunkten der Bogenreihe ein kritischer Punkt in der Baugenehmigung.

Barrierefreiheit und öffentlicher Raum

Arkaden im öffentlichen Bereich fungieren häufig als Verkehrsfläche. Freier Durchgang ist hier kein Luxus, sondern eine Anforderung. Die minimale lichte Höhe und Breite des Laufwegs unter den Bögen müssen den Barrierefreiheitsanforderungen der Landesbauordnungen entsprechen. Dies gewährleistet, dass die Arkade für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und Rettungsdienste nutzbar ist. Wenn eine Arkade Teil eines Fluchtwegs ist, gelten zusätzliche Regeln hinsichtlich der Feuerwiderstandsfähigkeit der verwendeten Materialien und der ungehinderten Durchströmung. Hindernisse wie Terrassen oder Auslagen dürfen die gesetzlich festgelegte Fluchtkapazität niemals gefährden.

Denkmalschutz und Denkmalschutzgesetze

Da viele Arkaden Teil historisch wertvoller Gebäude sind, gelten häufig die Denkmalschutzgesetze der Länder. Die Restaurierung oder Veränderung einer denkmalgeschützten Arkade ist genehmigungspflichtig. Es ist nicht zulässig, ohne Zustimmung der Denkmalschutzbehörde Änderungen an der Rhythmik oder der Materialwahl der Bogenreihe vorzunehmen. Das Schließen einer offenen Arkade mit Glasflächen wird beispielsweise kritisch auf die Beeinträchtigung der architektonischen Integrität und der historischen Erscheinungsform geprüft.

Historische Entwicklung der Arkade

Die Bogenform ist uralt, aber die Römer machten die Arkade groß. Sie perfektionierten die Verwendung von Beton und das Mauern schwerer Bogenkonstruktionen. Denken Sie an das Kolosseum. Hier wurde die Arkade gestapelt. Die unteren Lagen trugen die oberen. Eine logische, vertikale Hierarchie der Kräfte. Im frühen Mittelalter verlagerte sich der Schwerpunkt auf den Kirchenbau. Der romanische Baustil vertraute auf massive Pfeiler und dicke Mauern, um den enormen Horizontalschub der Rundbögen aufzunehmen. Es war Architektur der Schwerkraft. Klobig und unnachgiebig. Dann kam die Gotik. Eine Revolution. Der Spitzbogen veränderte die Mechanik des Gebäudes grundlegend. Kräfte wurden vertikaler zum Boden geleitet. Dadurch konnten die zwischenliegenden Säulen endlich schlanker werden. Die Arkade wurde ein Skelett. Das Füllwerk dazwischen konnte aus Glas statt aus schwerem Mauerwerk bestehen. In der italienischen Renaissance verließ die Arkade den rein religiösen Bereich. Architekten wie Brunelleschi entdeckten die klassischen Proportionen wieder. Die Arkade wurde ein Instrument der Stadtordnung. Die Loggia und die Piazza erhielten ihr Gesicht durch rhythmische Bogenreihen. Eleganz ersetzte die Angst vor dem Einsturz. Das 19. Jahrhundert brachte den größten technischen Sprung. Eisen und Stahl. Die Arkade war nicht länger an die Grenzen des Natursteins gebunden. In Städten wie Paris und Mailand entstanden die ‚Passagen'. Enorme Glasdächer ruhten auf schlanken, eisernen Bogenreihen. Die Konstruktion wurde federleicht. Die Bogenform, früher eine strukturelle Notwendigkeit für große Spannweiten, verschob sich in der Moderne zu einem ästhetischen Zitat oder einer funktionalen Übergangszone im städtischen Sockel. Die Technik veränderte sich, die visuelle Kraft blieb.

Häufige Fragen

Was ist eine Arkade?
Eine Arkade ist eine Reihe aufeinanderfolgender Bögen, die auf Säulen oder Pfeilern ruhen und zusammen einen Bogengang bilden.
Welche Funktion hat eine Arkade?
Die Funktion einer Arkade ist die Verbindung von Räumen unter Bewahrung der strukturellen Integrität. Sie kombiniert Offenheit mit Tragfähigkeit, indem sie vertikale Lasten über die Bögen auf die Pfeiler konzentriert, wodurch große Öffnungen ohne Stabilitätsverlust entstehen.
Wie wird eine Arkade konstruiert und stabil gehalten?
Die Konstruktion beginnt mit der Gründung der Pfeiler, wonach die Bögen mit Hilfe von Lehrgerüsten aufgebaut und erst nach dem Setzen des Schlusssteins tragend werden. In einer durchlaufenden Reihe neutralisieren die Bögen gegenseitig ihren seitlichen Druck, was schlanke Säulen ermöglicht; an den Enden ist zusätzliche Masse oder Verankerung erforderlich.